Morde von Berlin bis Palermo:
Erneut 16.000 Besucher bei der 3. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern
Neo-Krimi-Autor Georg Barylli: "Ich möchte endlich "Rotkäppchen" toppen!"
Eine Mord-Serie bisher nicht gekannten Ausmasses erschütterte gestern abend halb Europa - von Berlin bis Palermo, von Warschau bis Hermannstadt und besonders in Wien - Morde am laufenden Band. Diese Morde erfolgten noch dazu organisiert, fand doch gestern bereits zum 3. Mal die Kriminacht in den Kaffeehäusern statt, die zum ersten Mal auch in 9 europäischen Städten statt.
In Wien besuchten wie schon im Vorjahr rund 16.000 Menschen die Lesungen in über 40 Kaffeehäusern, in denen oft mehrere Autoren zwischen 19 Uhr und Mitternacht lasen.
Bei der Eröffnung im Café Landtmann erwies sich auch BM Dr. Michael Häupl als großer Krimi-Leser, neben den klassischen Krimi-Autoren wie Agatha Christie oder George Simenon bevorzugt er historische Krimis, aber: "Das ist bei mir jahreszeitlich bedingt. Gerne mag ich auch Donna Leon oder Veit Heinichen."
Der in Triest lebende Erfolgsautor Veit Heinichen war ebenfalls in Wien und verglich beide Städte: "Triest hat ja mehr eine Bar-Kultur. Und man kann nachlesen, daß schon vor 200 Jahren nirgendwo in Europa mehr getrunken wurde als in Triest ! Aber über die Kriminacht kann man als Autor nur dankbar sein." und meinte über seine Bücher "Meine Krimis haben mehr Tiefgang als die Badewanne, in der man sie liest."
Zum ersten Mal einen Krimi schrieb Gabriel Barylli, der am Tag vor der Kriminacht seinen 50. Geburtstag feierte, und von den Landtmann-Besitzern Anita und Bernd Querfeldt eine Torte überreicht bekam, die so feurig sprühte, daß Barylli blitzartig konstatierte: "Wenn die Torte jetzt noch explodiert, wären wir mitten in einem Krimi!" Und auf die Frage von Markus Pohanka, der die Kriminacht-Eröffnung moderierte, warum Barylli nun auch einen Krimi ("Ballerina") schrieb, gestand er: "Ich wollte endlich "Rotkäppchen" toppen. Man muß nur die Märchen der Gebrüder Grimm lesen, das ist das ABC der Spannung."
Während der Kriminacht erfuhr auch der griechische Star-Autor Petros Markaris, daß sein neuer Kostas Charitos-Krimi "Der Großaktionär" die neue Nr. 1 der "Krimiwelt-Bestenliste" ist. Markaris spricht perfekt deutsch, besuchte er doch das berühmte österreichische St. Georgs-Kolleg in Istanbul und studierte von 1960 bis 1965 in Wien, er übersetzte auch Thomas Bernhard, Brecht´s "Mutter Courage" oder Goethes "Faust" ins Griechische.
Ebenfalls bei der Kriminacht dabei: Adi Hirschal (liest gerne Veit Heinichen oder Mickey Spillane), Ehrenkieberer "Trautmann" Wolfgang Böck: "Ich lese sehr gerne Krimis und da ist alles möglich: Veit Heinichen, weil ich Triest sehr gut kenne und sehr mag, die "Liebermann"-Krimis von Stuart Kaminsky, besonders gefallen hat mir in der letzten Zeit auch "Morpheus" von Jilliane Hoffman, zwei amerikanische Autoren."
Weiters im Publikum: Der zufriedene Kriminacht-Erfinder & Organisator Christian Pöttler, KR Günter Ferstl, als Obmann der Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser der Veranstalter der Kriminacht, Kultur-Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny, Harry Kopietz, die österreichische Krimi-Autorin Sabine Naber, die in diesem Jahr den rennomierten "Glauser-Preis" ausgezeichnet wurde oder Stefan Slupetzky, der Preisträger von 2004.
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